Weifund: Dezentrales Crowdfunding 3.0 (Teil 2)

Am 12. September d.J. war ja Nick Dodson von WeiFund in Wien bei einem Ethereum Meetup. Ein sehr interessanter Abend. Nur einige Tage später wurde WeiFund zur innovativsten Blockchain Applikation auf der Internationalen Blockchain Woche in Shangai gewählt und hat die Beta-Version der Plattform gelauncht. Ein Grund um an meinen Artikel aus dem Juni d.J.: Weifund; dezentrales crwodfunding im WEb 3.0 anzuschließen und auf die Funktionsweise – wie Nick Dodson – es beim Ethereum Meetup erklärt hat, nochmals einzugehen.

Vorweg nochmals zur Klarstellung Bei WeiFund handelt es sich um eine  Open-Source, Blockchain 2.0-basierte Plattform aus dem Umfeld der Consensys Entwickler. Sämtliche Transaktionen laufen auf der Ethereum Blockchain. Die Smart Contrats der Weifund Verträge sehen Escrow-Lösungen vor und interagieren auch mit externen Token.  Weifund: Dezentrales Crowdfunding 3.0 (Teil 2) weiterlesen

APPCoins als Crypto Crowdfunding

ICO
ICO

Spätestens seit dem Erfolg des DAO ist offensichtlich, dass ICOs (Initial Coin Offerings) weltweit inzwischen eine populäre Möglichkeit sind Kryptowährungsprojekte vorab zu finanzieren. Bei einem ICO (manchmal auch als Crowdsale oder als Presale bezeichnet), werden Tokens (meist Appcoins)   im Austausch für bereits gängige Kryptowährungen wie BTC oder Ether zum Vorabkauf angeboten. Das damit aufgebrachte Kapital wird –  idealerweise für alle Unterstützer der Kampagne nachvollziehbar (auf einem einsehbaren Transaktionssystem) –  zur Entwicklung des neuen Projektes verwendet. Die mittels solcher ICOs bereits aufgebrachten Finanzierungsbeträge stellen viele der bis dato auf den großen Crowdfundingplattformen wie Kickstarter und Indiegogo durchgeführten Kampagnen in den Schatten. So handelt es sich bei 3  von den 10 größten bis dato durchgeführten Crowdfundingprojekten um ICOs. APPCoins als Crypto Crowdfunding weiterlesen

Weifund: dezentrales Crowdfunding im Web 3.0

Blockchain
Blockchain

Innerhalb der um das Ethereum-Startup Consensys entstandenen Entwicklerökosphäre arbeitet Nick Dodson seit  Monaten an einer neuen Form des Crowdfundings (Weifund.io)  als Teil des vom Ethereum-Projekt gesteckten Ziels der Entwicklung eines Web 3.0.   Beim Web 3.0 nach dem Ethereum Konzept handelt es sich um ein vollständig dezentrales Internet von Dapps (dezentralen Anwendungen) aufbauend auf der Ethereum Blockchain. Weifund.io soll die erste dezentrale Crowdfundinganwendung im Web 3.0 werden, die peer2peer Transaktionen dezentral – ohne Notwendigkeit der Nutzung von Crowdfundingplattformen als Mittelmänner – ermöglichen soll.  Weifund.io will diese Plattformen ersetzen  und mittels der Anwendung entsprechender Algorithmen und Smart Contracts (Programmierung!) können Gebühren massiv reduziert werden und Barrieren eliminiert werden.

For crowdfunding, the future will become so basic, simple, and clear, that this new philosophical paradigm will appear to materialize without much work at all. The bulk of the focus of business will shift from intermediaries to content creators, innovators, and a marketplace of participatory consumers (Nick Dodson).

Dieses dezentrale Crowdfunding von dem Dodson spricht, geht dabei weit über die Formen des Crowdfundings, wie wir sie momentan sowohl in den USA als auch in Europa sehen, hinaus und resultiert aus den neuen Möglichkeiten die aus der Kryptowährungstechnologien entstehen.

Mittels WeiFund können Benutzer  Crowdinvesting-Kampagnen ohne die traditionellen Hürden im Zusammenhang mit der Aktienemission und der Verwaltung der Eigentumsrechte durchführen.  Vereinfacht dargestellt ermöglichen sie es Start-ups an Geld zu kommen, indem sie ihre eigenen Tokens schaffen und diese verkaufen. Diese Tokens stellen Anteile an den Unternehmen dar und die Anleger profitieren an der Wertsteigerung dieser Anteile. Durch die implizit vorgesehene einfache Programmierbarkeit der in der Ethereum Blockchain vogesehenen Smart Contracts ist alles einfach programmierbar und damit auch automatisierbar: sowohl Treuhandsysteme, die Implementierung komplexer Tokensysteme (Generierung, Verwaltung usw) als auch die Erweiterung der Menge der verfügbaren Optionen für Investoren, Mitwirkenden und Kampagnenbetreiber. Abgesehen von der Programmierbarkeit löst WeiFund  durch die als Basis dienende Ethereumtechnologie (Blockchaintechnologie) das momentan unbestreitbar vorhandene Erfassungs- und Backofficeproblem vieler Plattformen (selbst Kickstarter und Indiegogo arbeiten bis dato noch mit Excel-Tabellen). Ganz zu schweigen vom Bezahlprozess, der viele Crowdfundingplattformen sowohl in den USA als auch in Europa  vor Probleme stellt und der  – teils auch aus regulatorischen Gründen – nicht entsprechend der digitalen Möglichkeiten erfolgt.

WeiFund and similar decentralized crowdfunding platforms will leverage the inherent nature of smart contracts to open the front door of this technology. From here, we can begin to discuss what future we want to build for ourselves. While decentralized crowdfunding may at first only address a niche in consumer or organization market demand, it is possible that with increasing market demand, WeiFund or similar services could become the new standard for contractual crowdfunding. (Nick Dodson)

Das Thema des Sekundärmarktes wird ebenso adressiert wie das Thema der Datensicherheit (Kryptographie).

Wir stehen auch hier erst am Beginn einer Entwicklung mit noch wenigen Erfolgsbeispielen: So haben sich sowohl  Swarm als auch Koinify (beide dezentralen Crowdfundingplattformen basierten auf der Bitcointechnologie)  in den letzten Monaten in eine andere Richtung entwickelt.   Eine weitere blockchainorientierte Crowdfundingplattform ist Blocktrust, auf dieser Plattform wurde bis dato nur ein Crowdfundingprojekt durchgeführt.  Diese dezentrale Crowdfundingplattform hat anhand von Multi-Signature wallets und der stufenweise (je nach Projektfortschritt) automatisierten Freigabe der Finanzierungsmittel aufgezeigt,  welche Szenarien zum Schutz der Investoren  der Einsatz von  Blockchaintechnologie ermöglichen würde.  Aber auch dieses Projekt ist offensichtlich eingestellt worden (die Webseite ist jedenfalls nicht mehr erreichbar).  Lighthouse entwickelt von Mike Hearn – einem sehr bekannten Bitcoin Core Entwickler (inzwischen ist er Mitarbeiter von R3)  – basiert ebenfalls auf der Bitcoin Blockchaintechnologie ging 2015 in Beta. Diese Software ist technisch für den User viel weniger komplex und daher einfacher zu nutzen, eine Lighthouse Wallet kann genutzt werden um einerseits als Unterstützer tätig zu werden aber auch um eigene Crowdfundingkampagnen zu starten.  Der Nachteil ist das diese Software viel weniger Funktionen hat und nur Bitcoin als Zahlungsmittel anwendet.

Noch scheint die Möglichkeit digitale Aktien (oder eben Tokens) durch Nutzung einer Crowdfundingsoftware bei einer Equity Crowdfundingkampagne ausgeben und in der Folge auch online handeln zu können, alleine aus regulatorischen Gründen illusorisch. Berücksichtigt man jedoch das Ende Dezember 2015 die SEC einem US Startup (unter der Leitung des bekannten Blockchainprotagonisten Patrick Byrne)  bereits die Genehmigung erteilt hat Wertpapiere mittels der Blockchain auszugeben und zu handeln, scheint die Fiktion Realität werden zu können. Jedenfalls ein spannendes Projekt..

 

Weltweit soll Crowdfunding auf über 34,4 Milliarden USD steigen 2015

Lt. dem aktuellen Massolution Research Bericht soll sich das gesamte weltweite über  Crowdfunding aufgebrachte Volumen  bis 2015 auf  34,4 Milliarden USD erhöhen und sich damit gegenüber 2014 (Volumen von 16 Milliarden USD) mehr als verdoppeln.
2014 hat sich das Volumen gegenüber dem Vorjahr 2013 (6,1 Milliarden USD) verdreifacht. Das starke Wachstum im vergangenen Jahr ist großteils bedingt durch  die Zunahme der Crowdfundingaktivitäen im asiatischen Raum.  wobei interessanterweise vor allem der p2p und p2b Kreditmarkt  im chinesischen Markt stark anstieg. Weltweit entfiel 2014 auf den lending-based Crowdfundingbereich  mit einer gesamten erreichten Summe von 11,08 Milliarden USDollar unumstritten das massivste Wachstum gefolgt vom equity-based Crowdfunding.
Die folgende Grafik zeigt in welche Branchen das Geld floß:

Massolution 2015 Report
Massolution 2015 Report

 

Punktation zum neuen Crowdfundinggesetz (auch AltFG) in Österreich liegt vor!

AltFG
Crowdfundinggesetz

Gut ein Jahr verspätet, aber schließlich doch wurde dieser Tage eine Punktation zum Alternativfinanzierungsgesez (AltFG) im Ministerrat beschlossen:

Das wichtigste vorab: der Gesetzesentwurf betrifft nur Crowdinvestingmodelle, keine reward-based Aktionen und auch keine donation-based Kampagnen.

Das neue Crowdfundinggesetz wird somit nur die Finanzierung von Unternehmen (kann auch natürliche Person sein) betreffen, die mittels alternativer Finanzierungsinstrumente durch ein öffentliches Angebot (an 150 Personen oder mehr) erfolgen soll. Der Begriff alternative Finanzierungsinstrumente umfasst dabei Aktien, Anleihen, Geschäftsanteile an einer Genossenschaft, Genussrechte, stille Beteiligungen und partiarische Nachrangdarlehen (kein unbedingter Rückzahlungsanspruch darf gegeben sein). (Kommentar: In der Punktation sind GmbH-Anteile und KG-Anteile nicht angeführt – es bleibt zu hoffen, dass es sich dabei nur um einen Redaktionsfehler handelt)

Es werden neue Informationspflichten eingeführt, ein sogenanntes Schema-F-Prospekt, ein erleichtetes Kapitalmarktprospekt soll geschaffen werden, wobei folgende Schwellen vorgesehen sind:

  • 100.000 bis 1,5 Mio: Informationsverpflichtung AltFG (Ausnahme Aktien und Anleihen, für diese ist bereits ab 250.000 € ein vereinfachter Prospekt (Schema F lt. KMG neu) zu erstellen)
  • 1,5 Mio bis 5 Mio: Schema F lt. KMG neu
  • ab 5 Mio: Kapitalmarktprospekt (wie bisher)

Der Anlegerschutzgedanke ist in den vorgesehenen Einzelanlagebeschränkungen für nicht professionelle Anleger berücksichtigt (professionelle Anleger haben keinerlei Beschränkung):

  • 5.000 Euro pro Investor pro Projekt
  • oder das 2-fache des durchschnittlichen Monatsnettoeinkommens – wenn diese Summe höher ist als 5.000 Euro
  • oder 10% des Finanzanlagevermögens – wenn diese Summe höher ist als 5.000 Euro.

Die Überschreitung der 5.000 Euro Grenze ist über eine Selbstauskunft des Anlegers gegenüber der Plattform oder im direkten Verhältnis gegenüber dem vom Emittenten für die Prüfungsverpflichtung beauftragten Dritten möglich.

Das maximale Volumen pro Emittent innerhalb von 7 Jahren beträgt 5 Mio Euro. Werden 5 Mio Euro in 7 Jahren überschritten, ist ein Vollprospekt nach KMG zu erstellen.

Die rechtlichen Anforderungen an die Plattformbetreiber steigen hinsichtlich Berufsbefähigungsnachweis, sowie verlangter Due Diligence der Projekte und Transparenz.

Für Emittenten, die sich ohne Nutzung einer Plattform an Anleger wenden (Beispiel: Grüne Erde) gelten obige Kriterien detto. Gleichzeitig besteht weiters eine formelle Prüfungspflicht (=Due Diligence, die bei Projekten, die über eine Plattform durchgeführt werden, durch die Plattformen gemacht wird) der benötigten Informationsunterlage (bis 1,5 Mio s.o.) durch externe Berater, Unternehmensberater, Steuerberater, Rechtsanwälte usw. (Kommentar: Diesbezüglich sehe ich noch eine sehr interessante Diskussion unter den jeweiligen Berufsständen auf uns zukommen). Diese Emittenten müssen auch die KYC und AML (Geldwäschebestimmungen usw.) einhalten.

Im Vergleich zum Entwurf zum dt. Kleinanlegerschutzgesetz hat die Bundesregierung offensichtlich wirklich erkannt, das Crowdfunding eine Möglichkeit aufzeigt, wie „privates“ Geld in die KMUS hineinfließen kann, v. a. wird die Möglichkeit Finanzbeteiligungen auch ohne Nutzung einer Plattform (so wie Staudinger oder die grüne Erde, das erfolgreich vorgezeigt haben) in Österreich nach diesem Vorschlag der Bundesregierung weiter bestehen bleiben (ist nicht vorgesehen nach dem dt. Entwurf). Nun bleibt abzuwarten, wann (es liegt kein Zeitplan vor) und wie es zur Umsetzung dieser durchaus guten Ansätze kommen wird.  Das Problem könnte nämlich durchaus im Detail liegen…so gilt es den „professionellen Anleger“, „die formellen Prüfungspflichten“ und den Terminus „Finanzanlagevermögen“ wohl erst zu definieren.

Schade ist das keinerlei steuerlicher Anreiz für diese neue Form der alternativen Finanzierung bis dato vorgesehen worden ist.

 

 

Bitcoin-Symposium am 3. März, mein Crowdfunding Buch usw.

 

bitcoin
bitcoin

Ich nutze den Blog ja vor allem auch um zu dokumentieren, was ich so im Netz finde und mache mir meine Gedanken darüber. Das gestrige Event – Bitcoin Symposium vom 3.3. 2015 am Juridicum Wien – hat mir wieder gezeigt, was für ein Potential die Themen Crowdfunding und vor allem Bitcoin haben und was für tolle  Startups es aus diesen Themenbereichen  sowohl in Österreich als auch in den Nachbarstaaten gibt. Also werde ich wieder mehr schreiben und damit dokumentieren..

Mein Buch zum Thema Crowdfunding gibt es übrigens seit Ende Dezember 2014 bei amazon.de zum Bestellen bzw. zum Runterladen.  Es war absolute Schwerarbeit, hat aber von wegen Wissen sehr viel gebracht und liest sich hoffentlich auch ganz interessant.

Gestern Abend gab es übrigens nach der Bitcoin Veranstaltung auf der Universität noch eine Private Equity Diskussion mit Regierungsvertretern Österreichs: Nach einer Bestandsaufnahme über die miese Situation des Seedfinancings (mal abgesehen vom Bund) (siehe die Folien hier von Thomas Jud und Dr. Marchart/AVCO) gaben die Regierungsvertreter ihre Statement ab und wiesen vermehrt (wenn nicht schon inflationär) auf die doch so tollen Möglichkeiten von Crowdfunding hin. Man ging sogar so weit, sich über die Vorgangsweise der FMA gegen Staudinger zu echauffieren (übrigens ein Vertreter der SPÖ) – „also wirklich, wo doch im sogenannten „regionalfunding“ die Zukunft der Finanzierung in Österreich liege“. Im Vergleich zu den Aussagen der Regierung vor Jahren zu diesem Thema, wohl ein echter Fortschitt.

Als dann ein Bitcoin Unternehmer aus dem Ausland (übrigens ein tolles Startup) darauf hinwies, das noch viel mehr Möglichkeiten in der Bitcoin Technologie liegen würde und doch die Regierung dieses Potential nutzen sollte – herrschte seitens der Diskutanten allgemeines Unverständnis.

Interessant an diesem Private Equity Panel war die Teilnahme von Speedinvest, vertreten durch Michael Schuster,  die ja gestern früh das erfolgreiche Closing einer Finanzierungsrunde von 58 Mio Euro verkündeten, eingesammelt von 90 Privatinvestoren mit jeweils über 300.000 € Einzelinvestments. Eine tolle Leistung von Oliver Holle. Einfach grossartig.

 

Crowdfunding Symposium in Wien

Crowdfunding Symposium
Crowdfunding Symposium

Seit Jahren erzähle ich meinen Freunden und Geschäftspartnern, bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten über das Phänomen Crowdfunding. Meist haben sie über meine Begeisterung für diese neue Finanzierungsmethode nur milde gelächelt und darauf hingewiesen, dass sie ja vor allem im Konzernumfeld tätig sind oder den Mittelstand beraten und weniger Interesse an Startups hätten. Einige meiner Geschäftspartner und Freunde haben jahrelang auch sehr gut mit der Betreuung und Beratung von Private Equitytöchtern der Banken verdient.

Nunja, in den letzten 12 Monaten bin ich aber mit Crowdfunding auch in meinen Kreisen der Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte auf immer mehr Interesse gestossen. In den letzten sechs Monaten haben sie mir immer interessierter zugehört, wenn ich über Crowdfunding gesprochen habe. Seit einigen Wochen werde ich sogar gezielt angesprochen auf dieses Thema, vor allem auch deswegen, weil offensichtlich die Banken vermehrt nicht nur keine Startups finanzieren, sondern auch der Mittelstand keine Betriebsmittelkreditlinie mehr bekommt, wenn das Eigenkapital des Unternehmens  nicht den anspruchsvollen Erwartungen des Bankbetreuers entspricht.

So und nun hat meine langjährige Freundin Sabine Kirchmayr – inzwischen Universitätsprofessorin und als solche Vorstand des Instituts für Finanzrecht am Juridicum Wien – selbst vorgeschlagen, doch eine Veranstaltung zum Thema Crowdfunding durchzuführen und damit einen Beitrag zur Aufklärung vieler noch offener rechtlichen Fragen zu leisten. Andreas Mätzler und Gerold Wietrzyk von der  renommierten Wiener Rechtsanwaltskanzlei Karasek Wietrzyk sowie Ernst Brandl, der Kapitalmarktrechtsexperte Wiens von Brandl & Talos, stellen ihr aufsichtsrechtliches Know How für diese Veranstaltung zur Verfügung und unterstützen diese auch finanziell.

Wir haben versucht, ein interessantes Programm mit Praxisbeispielen  (Grüne Erde, Cliffhanger Productions)  und Vertretern der österreichischen Plattformen 1000*1000.at und conda.at zu erstellen.

In der abschließenden Diskussion soll der Entwurf des Anlegerschutzgesetzes diskutiert werden, dazu kommt ein Rechtsanwalt aus Deutschland der im German Crowdfunding Network auch die Stellungnahme zum Entwurf des Anlegerschutzgesetzes miterabeitet hat. Es ist uns gelungen – was uns sehr freut – Stefan Zapatocky als Vortragenden zu gewinnen. Stefan Zapatocky war jahrelang Vorstand der Wiener Börse und hat viele weitere hochrangige Bankfunktionen eingenommen, auch er ist mittleweile überzeugt vom „Crowdfunding Gedanken“.

Das Programm zur Veranstaltung findet man auf den Seiten der fintech.academy, dort kann man sich auch anmelden.

 

 

 

 

 

 

 

Entwurf des Kleinanlegerschutzgesetzes in Deutschland (Teil 2)

Im § 2 Abs 2 VermAnlG sind lt dem Entwurf des Kleinanlegerschutzgesetzes vom 28. Juli 2014 Erleichterungen für die Ausgabe von partiarischen Darlehen, Nachrangdarlehen unter folgenden Prämissen vorgesehen:
• Gesamtbetrag  der von dem Emittenten ausgegebenen Vermögensanlagen übersteigt eine Million Euro nicht.
• Ein einzelner Anleger kann maximal Anteile von € 10.000 erwerben pro Emission.
• Das Angebot der Wertpapiere erfolgt über eine Crowdfundingplattform, die der Aufsicht nach §34f, § 34h oder § 34c der Gewerbeordnung oder dem KWG oder dem WpHG unterliegt.
Liegen all diese Voraussetzungen vor, muss v.a. kein Prospekt erstellt werden. Außerdem ist keine Prüfpflicht für den Jahresabschluss (§ 25 VermAnlG) gegeben und der Emittent ist befreit von seiner Pflicht einen Lagebericht zu erstellen (§ 23 Abs 2 Nr. VermAnlG).

Adhoch kritisch anzumerken ist dazu
• das aufgrund des Entwurfs des Kleinanlegerschutzgesetz nur mehr die Ausgabe von partiarischen Darlehen über eine Crowdfundingplattform von der Prospektpflicht befreit sind, also Projekt wie die Grüne Erde (Bericht von mir hier) in Deutschland nicht mehr möglich sein werden;
• das nur für partiarische Darlehen eine Ausnahmeregelung vorgesehen ist, aber nicht für stille Beteiligungen oder Genussscheine, die ebenfalls über Crowdfundingplattformen ( Ö + D) angeboten werden. Das ist a sachlich nicht nachvollziehbar.

Die Crowdfundingplattformen in Deutschland  sehen  beim Entwurf des Kleinanlegerschutzgesetzes in Deutschland vor allem Probleme hinsichtlich zweier neuer Anforderungen:

  • §13 VermAnlG n.F. sieht vor, dass ein Anbieter von Vermögensanlagen vor dem Beginn des öffentlichen Angebot ein Vermögensanlagen-Informationsblatt (“VIB”) zu erstellen und u.a. auf seiner Internetseite zu veröffentlichen hat. Hierbei handelt es sich um eine Zusammenfassung wesentlicher Eckpunkte der angebotenen Vermögensanlage. Ein VIB ist zukünftig auch für partiarische Darlehen zu erstellen, wenn kein Prospekt erstellt wird – inhaltlich kein Problem, jedoch sehen die vorgeschlagenen Regelungen auch bei einer Online-Zeichnung vom Anleger vor,  dass das VIB ausgedruckt und unterschrieben postalisch zurückgeschickt ( § 13 Abs 7 VermAnlG) werden muss. Erfolgt diese postalische Übermittlung nicht, steht dem Zeichner ein unbefristetes Rückabwicklungsrecht zu. Eine Ausnahme gilt lediglich für den Erwerb von Anteilen bis zu einem Gesamtwert von € 250. Die neue Regelung zwingt den Anleger zu einem Medienbruch da er den Investitionsprozess nicht online abschließen kann. Medienbrüche bei Kommunikationsprozessen führen erfahrungsgemäß zu hohen Abbruchraten, die zu einem deutlichen Rückgang des Finanzierungsvolumens auf den Plattformen führen können.

 

  • Die Werbebeschränkung nach § 12 Abs 1 VermAnlG n.F sieht ein sehr weitreichendes Werbeverbot für Vermögensanlagen vor, das auch auf Vermögensanlagen vertrieben von den Crowdfundingplattformen gelten wird.Das Werbeverbot ist momentan so offen und weit gefasst, dass es erhebliche Rechtsunsicherheiten schafft, wie die Regelung anzuwenden ist. Jedenfalls dürften die Bannerwerbung, die momentan von den crowdfundingplattformen in D + Ö geschalten werden, nicht den Anforderungen des neuen § 12 VermAnlG entsprechen.

Steuern und Crowdfunding update

CrowdInvesting 1000x1000

Ich habe mich mal hingesetzt und eine Zusammenfassung geschrieben zum Thema Steuern und Crowdfunding sowohl für die österreichische als auch für die deutsche Rechtslage.

Als österreichischer Steuerberater musste ich für die deutsche Rechtslage auf die deutsche Literatur zurückgreifen und habe die Endfassung mit einer deutschen Steuerberaterin abgestimmt, insofern müsste alles passen.

Inwieweit die lokalen Finanzbehörden Crowdfunding anders interpretieren bzw. die Finanzierungsbeiträge unterschiedlich beurteilen wird sich noch herausstellen, jedenfalls sollte mein Papier auch bei diesen Diskussionen eine gute Argumentationsbasis bilden.

Steuern und Crowdfunding Booklet (kostenfrei). (Für Rückfragen stehe ich zur Verfügung.)

Das Crowdfunding von Grüne Erde – das Vorzeigeprojekt schlechthin!

 

Grüne Erde
Grüne Erde

Nachdem das österreichische Ökounternehmen  Grüne Erde  in eine eigene Öko-Modekollektion investiert hatte, schrieb der Betrieb deshalb zwei Mal einen Jahresverlust nach Steuern – 350.000 Euro 2010/11 und 290.000 Euro 2011/12. Anfangsverluste waren laut eigentlich aufgrund der getätigten Investitionen ohnehin im Businessplan geplant, aber die Banken haben aufgrund der Verluste  ihre Finanzierungszusagen widerrufen. Aufgrund dessen startete das Unternehmen eine Crowdfunding-Aktion und übermittelten ihren Kunden eine Broschüre, in der sie ihren Kunden ein Angebot für eine Investition an der Dachorganisation (mindestens 2.000 €, höchstens jedoch 50.000 €)  Grüne Erde Beteiligungs GmbH in Form eines partiarischen Darlehens anboten.

Eigentlich hätte die Aktion bis Ende Juli 2014 laufen sollen, da das Unternehmen aber bereits im Mai 2014 6,3 Mio € (Aktion lief seit Sommer 2013) an partiarischen Darlehen an ihre Kunden vergeben hatte, konnte die Aktion früher geschlossen werden.  Die Bankverbindlichkeiten sind seit 2010/11 von 11,4 auf rund 6 Millionen Euro gesunken.

Das Darlehen läuft mindestens fünf Jahre und wird unter anderem in Einkauf, Warenvorräte, Maschinen und Internetauftritt investiert.

In einem Interview  führte Kuno Haas, einer der Geschäftsführer der Grünen Erde aus „Bemerkenswert ist, dass wir zwei Drittel unseres Umsatzes in Deutschland machen, aber ausschließlich österreichische Kunden Darlehensverträge machen konnten“. In Deutschland sei so ein Finanzierungsmodell verwaltungstechnisch viel aufwendiger und brauche eine Vorbereitungszeit von vier bis sechs Monaten. Für Österreich hätten zwei bis drei Wochen Vorbereitungszeit gereicht. „Wir haben das Reglement von der FMA übernommen. Innerhalb der ersten zwei Monate haben wir bereits eineinviertel Millionen Euro gesammelt“, so Haas.

Der Erfolg dieser Crowdfunding-Kampagne liegt sicher auch im sehr guten Kundenbetreuungssystem des Unternehmens begründet. Als Grüner Erde Kunde – so wie ich –  bekommt man regelmäßige Zuschriften ohne aber zu aufdringlich oder zu aggressiv aufzutreten. Auch die Facebook-Präsenz des Unternehmens mit über 6.000 Fans ist für ein österreichisches Unternehmen durchaus beeindruckend. Ich finde die Aktion wirklich toll und vorbildhaft.

Für Unternehmen solcher Bekanntheit ist eine Crowdfunding-Kampagne, wie hier durchgeführt  auf der eigenen Seite absolut empfehlenswert und spart auch im Vergleich zur Begebung einer Anleihe immense Kosten! Ich kann nur gratulieren.