APPCoins als Crypto Crowdfunding

ICO
ICO

Spätestens seit dem Erfolg des DAO ist offensichtlich, dass ICOs (Initial Coin Offerings) weltweit inzwischen eine populäre Möglichkeit sind Kryptowährungsprojekte vorab zu finanzieren. Bei einem ICO (manchmal auch als Crowdsale oder als Presale bezeichnet), werden Tokens (meist Appcoins)   im Austausch für bereits gängige Kryptowährungen wie BTC oder Ether zum Vorabkauf angeboten. Das damit aufgebrachte Kapital wird –  idealerweise für alle Unterstützer der Kampagne nachvollziehbar (auf einem einsehbaren Transaktionssystem) –  zur Entwicklung des neuen Projektes verwendet. Die mittels solcher ICOs bereits aufgebrachten Finanzierungsbeträge stellen viele der bis dato auf den großen Crowdfundingplattformen wie Kickstarter und Indiegogo durchgeführten Kampagnen in den Schatten. So handelt es sich bei 3  von den 10 größten bis dato durchgeführten Crowdfundingprojekten um ICOs.

Der erste Crowdsale fand im Sommer 2003 statt, als  Mastercoin im Bitcoin-Forum bitcointalk.org den Verkauf von Tokens  gegen die Ausgabe der Kryptowährung Mastercoins anbot. Mastercoin sammelte 4.471 BTC ein. Gefolgt von Nxt im November 2013 (21 BTC), Nxt gilt auch als das erste Kryptotransaktionssystem, das den Proof-of Stake Konsens Algorithmus umsetzte. Nxt weist inzwischen eine Marktkapitalisierung von 10 Mio USD und gilt daher  als eines der erfolgreichsten ICOs. Swarm konnte im Juni 2014 1.252 BTC einsammeln und Bitshares 5.621 BTC im Juli 2014. Im August 2014 sammelte Ethereum 31.529 BTC ein ( damaliger Wert von 18 Mio USD), gefolgt von  ein paar kleineren Projekten (StorJ, SuperNET, Peertracks, Bitbay, Ziftr, Gems,..). Sehr bekannte Projekte waren auch Maidsafe ( 8 Mio USD) und Counterparty.  Der Blockchainhype ab Herbst 2015 führte gemeinsam mit dem Anstieg des Kurses für die Währungen BTC und Ether zu eine Reihe sehr erfolgreicher Projekte  wie beispielsweise

Den Höhepunkt stellt der DAO dar. Die Brüder Jentzsch sammelten innerhalb eines Monats 144 Mio USD ein und stellt damit das wohl bis dato erfolgreichste Crowdfunding dar.

Die ICOs werden in der Regel auf mehreren Kryptowährungsforen angekündigt, traditionell jedenfalls auch auf Bitcointalk. Die Ankündigung enthält die wichtigsten Informationen über das geplante Kryptowährungsprojekt, meist in Form eines Whitepapers, die Fristen für das ICO, das Umtauschverhältnis der erhaltenen Kryptowährung in die neue Kryptowährung/Tokens, Vorstellung der Teammitglieder, und andere ICO Details. Die Angaben entsprechen in etwa jenen eines typischen Crowdfundingprojektes (ohne Pitchvideo). Eingesammelt wird meist über Bekanntgabe einer BTC-Adresse, so ist für jeden Unterstützer über die Blockchain absolute Transparenz hinsichtlich Zielerreichung gegeben. Vorzugsweise werden die Mittel letztlich in einer MultiSig-Adresse gehalten, sodass auch vollständige Transparenz hinsichtlich der Mittelverwendung gegeben ist. Als Vertrauensleute (Signaturinhaber bei solchen MultiSig-Adressen) werden bei den ICOs mehrheitlich vor allem gut beleumundete Leute aus dem bitcointalk Forum genutzt.

Die individuellen Parameter eines ICO variieren. Typischerweise wird innerhalb von wenigen Wochen versucht, soviel wie möglich einzusammeln. Gelegentlich kappen einige ICOs den Betrag (beispielsweise DigixDAO). Das Alles-oder-Nichts Prinzip wird – soweit ich sehen konnte – nicht angewandt.

Die Konditionen der Angebote differieren, aber meist handelt es sich um einen klassischen Vorverkauf (Presale) der AppCoins bzw. der Tokens, die in der Folge zur spezifischen Nutzung des mit dem Erlös entwickelten Kryptowährungsprojektes notwendig sind. So stellt der Ether für die Smart Contracts der Ethereum Blockchain bzw. der LISK bei der Lisk Blockchain das Nutzungsentgelt dar. Sobald der ICO abgeschlossen ist und das Projekt ins Leben gerufen ist, bekommen die ausgegebenen Kryptowährungstoken meist eine Notiz an den – inzwischen zahlreichen – Kryptowährungsbörsen und können gegen andere Kryptowährungen oder Fiatwährungen  getauscht werden. Damit stellen die erworbenen Coins/Token auch eine Wertanlage dar, denn bei steigender Attraktivität des unterstützten Kryptowährungsprojektes profitieren die Unterstützer entweder durch Realisierung an einer Tauschbörse oder  auch durch (günstige) Nutzung des Tokens beim realisierten Projekt.  Die Tokens werden liquide und fungibel durch die Aufnahme in den Handel an den Kryptowährungsbörsen. Ein massiver Vorteil gegenüber den bestehenden equity based Crowdfundingmodellen, bei denen mangels funktionierender Sekundärmärkte fehlende Fungibilität und Liquidität zu beklagen ist.

Der positive Marketingeffekt der erstmaligen Ausgabe von Coins bei den ICOS, entspricht dem Marketingeffekt der üblichen Crowdfundingkampagnen. Bei den ICOS kommt dieser Marketingeffekt noch ein wesentlich wichtigere Bedeutung  durch den Netzwerkeffekt, der diesen virtuellen Kryptowährungssystemen innewohnt und für deren Erfolg notwendig ist, zu. Desto mehr Nutzer, desto höher der Wert der Kryptowährung. Vor allem für jene Transaktionssysteme die den Proof-of Stake Algorithmus zur dezentralen Konsensbildung anwenden,  ist eine entsprechende Verbreitung der Kryptowährung essentiell.  Das Thema der Scams (Betrügereien) usw. rund um die ICOs nimmt proportional zu den erfolgreichen Projekten zu.  insofern gibt es immer mehr Ansätze – analog zu den klassischen Crowdfundingprojekten – in Richtung erhöhter Due Diligence. Die vermehrte Verwendung von MultiSig-Wallets und die dabei notwendige Involvierung von Vertrauensleuten spiegelt diese Diskussion wieder.

ICOS werden immer wieder  mit Initial Public Offerings (IPOs) von Unternehmen verglichen.

Nach der Definition des  US-Supreme Court (durchaus vergleichbar mit den europäischen Regelungen siehe BaFin), erstreckt sich die gesetzliche Definition des Begriffs eines Wertpapiers auch auf „sonstige Finanzinstrumente“, die folgende Voraussetzungen erfüllen:
°Eine finanziellen Beteiligung
°in ein gemeinsames Unternehmen
°mit der Absicht der Profiterzielung,
°basierend auf der Tätigkeit des Unternehmens.
Gewöhnlich gilt eine Erwerb eines Produktes nicht als Wertpapier, wenn der Erwerber es mit dem Ziel der Konsumation erworben hat. Damit repräsentieren die bei den ICOS ausgegebenen AppCoins vordergründig nur in den seltensten Fällen einen Anteil am Unternehmen (so ein Fall ist z.B. der ICO von Mycelium), denn sie geben keinerlei Mitspracherechte und keinen Anspruch um laufenden Ertrag des Unternehmen, vor allem aber ist der erklärte Zweck der AppCoins die Nutzung in der neuen Kryptoapplikation. Betrachtet man jedoch die Diskussionen auf bitcointalk.org so wird klar, das viele Unterstützer die Coins ausschließlich aus Spekulationsgründen erwerben.  Einige der Projektinitiatoren sind sich jedoch der Komplexität und der damit verbundenen rechtlichen Risiken bewusst.  So ging  beispielsweise Ethereum in seinem Whitepaper immer wieder darauf ein, das es sich beim Ether ICO um kein IPO handle, sondern um einen Softwareverkauf nach Schweizer Recht.  Daher auch die oftmalige  Verwendung des Wortes Crowdsale an Stelle von ICO oder ITO (initial Token Sale) bei den diversen Projekten. Obwohl sich lt. diverser Berichte die SEC bereits 2014 mit den ICOS beschäftigt hat, gibt es bis dato von keiner  Aufsichtsbehörde spezifische rechtliche Anforderungen. Das könnte sich jedoch jetzt ändern, denn der große und auch medial gehypte Erfolg und der in der Folge ebenso  massive Hack des DAO, sind sicher auch den nationalen und internationalen Finanzaufsichtsbehörden aufgefallen.

Interessanterweise gibt es in den USA beispielsweise jetzt durch die JUMP START ACT und die erfolgte Umsetzung von Title II und III nun ohnehin die Möglichkeit auch für Blockchainunternehmen gesetzlich geregelte Crowdfundingkampagnen durchzuführen insbesondere an akkreditierte Investoren.

Problematisch wird es in der Folge auch wenn es um steuerliche Themen geht, die auch bei einem ICO zu berücksichtigen sind. Ein Vorverkauf eines Gutscheins oder eines Stück Softwares muss sowohl auf Umsatz- als auch auf ertragsteuerliche Konsequenzen hin untersucht werden. Nicht ohne Grund gründete Ethererum eine Stiftung in der Schweiz als Trägervehikel für den im Herbst 2014 durchgeführten Crowdsale.

Die Vorteile in den Konstrukten der ICOS sind jedoch immanent und adressieren massive Probleme der momentan populären Crowdfundingmodelle:

  • funktionierende Sekundärmärkte werden durch die Kryptowährungsbörsen abgebildet,
  • die Zahlungsabwicklung stellt kein Problem dar, mittels der Nutzung von Bticoin, Ether usw. kann friktionslos unterstützt werden und auch noch kostentechnisch vorteilhaft, es sind keine Chargebacks möglich.
  •  anonymer Erwerb der Tokens/unterstützen der Crowdfundingkampagnen/ICOS ist möglich.
  • Kleinstbeträge können investiert werden
  • Wertsteigerung ist möglich auch bei reward-based Kampagnen
  • keine länderspezifischen Regelungen für das Investmentprodukt (Stichwort „partiarische Nachrangdarlehen“) sind zu beachten.
  • erstmalig globales Crowdfunding – ohne Berücksichtigung nationaler Grenzen – wird möglich.
  • Kostenbelastungen durch die Intermediäre (Crowdfundingplattformen) fallen weg.

Interesssanterweise waren Projekte wie Koinify and Swarm, die eine neue Generation von Crowdfundingplattformen darstellen und ICO-Projekte bei den Kampagnen unterstützen wollen, bis dato nicht erfolgreich. Momentan adressieren die ICOS vor allem Bitcoin/Altcoinenthusiasten und First-adopter zeigen aber bereits ein immenses Potential. Vor allem die Globalität und die Existenz des Sekundärmarktes sind faszinierend. Der DAO mit der Idee eines Invesmentvehikels in Form einer Decentralized Autonomous Organization und einem vorprogrammierten Crowdfundingprozess und das Projekt von WAVE – dem Bau einer TOKEN-Plattform als Crowdfundingplattform – lassen erahnen, das das Thema Crowdfunding sich noch massiv verändern wird in den nächsten Jahren.

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