Schweiz plant analog zu London und zu Singapur Sandbox für FinTechs

Lt. einem Artikel der Finanz- und Wirtschaft von heute (10.10. 2016)arbeitet der Schweizer Bundesrat an einem  Gesetzesvorhaben für die Finanztechnologie-Branche (FinTech). Eingeführt werden sollen einerseits eine «Bankenlizenz light» und andererseits ein regulierungsfreier Raum für Fintech-Start-ups: Im Rahmen dieser regulierungsfreien Raums sollen die Startups im Finanztechnologiebereich komplett oder teilweise ausgenommen werden aus der Bankengesetzgebung und nur mehr eingeschränkt unter die Aufsicht der FINMA fallen. Lt. dem Artikel der Finanz- und Wirtschaft ist auch geplant die steuerliche Situation der FinTech-Jungunternehmen zu verbessern. Diese Initiativen resultieren vor allem aus  der bereits vor einem Jahr erfolgten Bildung einer eigenen FinTech-Sektion in der Finanzmarktaufsicht und einer mit der Montary Authority of Singapore (MAS) abgeschlossenen Kooperationsvereinbarung.

Die Finanzaufsicht des südostasiatischen Stadtstaats gilt als einer der fortschrittlichsten im Bereich der FinTech-Regulierung. Die MAS hat erst im Juni dieses Jahres ein Konsultationspapier  zur Bildung einer „Sandbox“ für FinTechs herausgegeben.  Auch hier ist das erklärte Ziel  die Förderung der Anwendung neuer Finanztechnologien für Startups aber auch bei bereits etablierten Finanzunternehmen. Solange eine neue Finanztechnologie innerhalb der Rahmenbedingungen dieser „Sandbox“ angewandt wird, gelten erleichterte Aufsichtsregularien. Ms Jacqueline Loh, Deputy Managing Director of MAS, erklärte dazu

MAS aims to provide a responsive and forward-looking regulatory approach that will enable promising FinTech innovations to develop and flourish. The sandbox will help reduce regulatory friction and provide a safer environment for FinTech experiments. We believe this will give innovations a better chance to take root.

Beide Initiativen entsprechen mehr oder weniger der von der Londoner FCA (Financial Conduct Authority) eingeführten (ersten) „Sandbox“ aus dem Frühjahr 2016: Auch die britische „Sandbox“ sieht vor, dass innerhalb bestimmter Rahmenbedingungen einerseits nichtlizenzierte Firmen (FinTechStartups) eine eingeschränkte Zulassung erhalten  können um innovative Produkte oder Dienstleistungen in einer Live-Umgebung zu testen. Andererseits erhalten lizenzierte Unternehmen, die innovative Produkte oder Dienstleistungen testen wollen, von der FCA individuelle Beratung hinsichtlich einer möglichen eingeschränkten Anwendung der FCA-Regularien für den betroffenen Bereich.

Diese regulatorische „Sandbox“ ist Teil des ‚Projekt Innovate „der britischen Finanzmarktaufsicht (FCA). Das „Projekt Innovate“ wurde bereits im Oktober 2014 von der britischen Finanzmarktaufsicht lanciert und umfasste  die Gründung eines Innovations Hubs, einer Advice Unit und einer „Sandbox“ . Lt. der Webseite der FCA  zielt das Projekt Innovate analog zu den Zielen der Schweizer Regierung und der MAS auf die Förderung der Innovation auf dem britischen Finanzdienstleistungsmarkt  ab  und will vor allem den Wettbewerb durch disruptive Innovationen fördern. Es soll für die Erprobung innovativer Produkte und Dienstleistungen ein sicherer Raum geschaffen werden, ohne die ansonsten geltenden regulatorischen Konsequenzen auszulösen. Innovationen sollen gefördert werden, indem die administrativen Hürden und Kosten für die Erprobung innovativer Produkte und Dienstleistungen gesenkt werden, gleichzeitig aber der Verbraucher geschützt ist. Die Aufnahme in dieses Sandboxprogramm setzt einen Bewerbungsprozess voraus ebenso wie in der Folge eine ständige Zusammenarbeit bzw. Berichterstattung über die erzielten Fortschritte und Ergebnisse des Projektes mit der FCA.

Christopher Woolard, der FCA’s Director of Strategy and Competition, erklärte bei Bekanntgabe des Sandboxprogramms am 6. April 2006 in London:

 it is „a bold and complex project for any regulator to undertake“. Just as fintech firms and innovative incumbent financial institutions will be testing new waters, the FCA will face new challenges and gain valuable learning opportunities through its sandbox programme. Implementing a regulatory sandbox despite these challenges and the required efforts underscores the FCA’s ambition to ensure that the UK financial services market remains at the forefront of innovation while protecting consumer interests.

Die Einführung des Projekt Innovates und der damit offensichtliche starke Wille der britischen Finanzmarktbehörde neue Finanztechnologien zu unterstützen, sind wohl einer der Hauptgründe, warum auch dem Bericht der EY zufolge   in den letzten Jahren die FinTech Investments in Großbritannien/London dermassen hoch waren vor allem im Vergleich zu den sonstigen europäischen Ländern und warum London immer wieder zur FinTech Hauptstadt von Europa wenn nicht der ganzen Welt erklärt wird.

Lt. entsprechenden Onlineberichten überlegt die FCA auch die Aufnahme von Blockchain Unternehmen in ihr Project Innovate Programm.

(Anmerkung: für Finanzunternehmen, die Einlagen entgegennehmen, ist nicht die FCA sondern die PRA (Prudential Regulation Authority) zuständig: hier gibt es im Rahmen des Projekts „Innovate“ das Projekt „New Bank Start-up Unit„).

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