Weifund: dezentrales Crowdfunding im Web 3.0

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Innerhalb der um das Ethereum-Startup Consensys entstandenen Entwicklerökosphäre arbeitet Nick Dodson seit  Monaten an einer neuen Form des Crowdfundings (Weifund.io)  als Teil des vom Ethereum-Projekt gesteckten Ziels der Entwicklung eines Web 3.0.   Beim Web 3.0 nach dem Ethereum Konzept handelt es sich um ein vollständig dezentrales Internet von Dapps (dezentralen Anwendungen) aufbauend auf der Ethereum Blockchain. Weifund.io soll die erste dezentrale Crowdfundinganwendung im Web 3.0 werden, die peer2peer Transaktionen dezentral – ohne Notwendigkeit der Nutzung von Crowdfundingplattformen als Mittelmänner – ermöglichen soll.  Weifund.io will diese Plattformen ersetzen  und mittels der Anwendung entsprechender Algorithmen und Smart Contracts (Programmierung!) können Gebühren massiv reduziert werden und Barrieren eliminiert werden.

For crowdfunding, the future will become so basic, simple, and clear, that this new philosophical paradigm will appear to materialize without much work at all. The bulk of the focus of business will shift from intermediaries to content creators, innovators, and a marketplace of participatory consumers (Nick Dodson).

Dieses dezentrale Crowdfunding von dem Dodson spricht, geht dabei weit über die Formen des Crowdfundings, wie wir sie momentan sowohl in den USA als auch in Europa sehen, hinaus und resultiert aus den neuen Möglichkeiten die aus der Kryptowährungstechnologien entstehen.

Mittels WeiFund können Benutzer  Crowdinvesting-Kampagnen ohne die traditionellen Hürden im Zusammenhang mit der Aktienemission und der Verwaltung der Eigentumsrechte durchführen.  Vereinfacht dargestellt ermöglichen sie es Start-ups an Geld zu kommen, indem sie ihre eigenen Tokens schaffen und diese verkaufen. Diese Tokens stellen Anteile an den Unternehmen dar und die Anleger profitieren an der Wertsteigerung dieser Anteile. Durch die implizit vorgesehene einfache Programmierbarkeit der in der Ethereum Blockchain vogesehenen Smart Contracts ist alles einfach programmierbar und damit auch automatisierbar: sowohl Treuhandsysteme, die Implementierung komplexer Tokensysteme (Generierung, Verwaltung usw) als auch die Erweiterung der Menge der verfügbaren Optionen für Investoren, Mitwirkenden und Kampagnenbetreiber. Abgesehen von der Programmierbarkeit löst WeiFund  durch die als Basis dienende Ethereumtechnologie (Blockchaintechnologie) das momentan unbestreitbar vorhandene Erfassungs- und Backofficeproblem vieler Plattformen (selbst Kickstarter und Indiegogo arbeiten bis dato noch mit Excel-Tabellen). Ganz zu schweigen vom Bezahlprozess, der viele Crowdfundingplattformen sowohl in den USA als auch in Europa  vor Probleme stellt und der  – teils auch aus regulatorischen Gründen – nicht entsprechend der digitalen Möglichkeiten erfolgt.

WeiFund and similar decentralized crowdfunding platforms will leverage the inherent nature of smart contracts to open the front door of this technology. From here, we can begin to discuss what future we want to build for ourselves. While decentralized crowdfunding may at first only address a niche in consumer or organization market demand, it is possible that with increasing market demand, WeiFund or similar services could become the new standard for contractual crowdfunding. (Nick Dodson)

Das Thema des Sekundärmarktes wird ebenso adressiert wie das Thema der Datensicherheit (Kryptographie).

Wir stehen auch hier erst am Beginn einer Entwicklung mit noch wenigen Erfolgsbeispielen: So haben sich sowohl  Swarm als auch Koinify (beide dezentralen Crowdfundingplattformen basierten auf der Bitcointechnologie)  in den letzten Monaten in eine andere Richtung entwickelt.   Eine weitere blockchainorientierte Crowdfundingplattform ist Blocktrust, auf dieser Plattform wurde bis dato nur ein Crowdfundingprojekt durchgeführt.  Diese dezentrale Crowdfundingplattform hat anhand von Multi-Signature wallets und der stufenweise (je nach Projektfortschritt) automatisierten Freigabe der Finanzierungsmittel aufgezeigt,  welche Szenarien zum Schutz der Investoren  der Einsatz von  Blockchaintechnologie ermöglichen würde.  Aber auch dieses Projekt ist offensichtlich eingestellt worden (die Webseite ist jedenfalls nicht mehr erreichbar).  Lighthouse entwickelt von Mike Hearn – einem sehr bekannten Bitcoin Core Entwickler (inzwischen ist er Mitarbeiter von R3)  – basiert ebenfalls auf der Bitcoin Blockchaintechnologie ging 2015 in Beta. Diese Software ist technisch für den User viel weniger komplex und daher einfacher zu nutzen, eine Lighthouse Wallet kann genutzt werden um einerseits als Unterstützer tätig zu werden aber auch um eigene Crowdfundingkampagnen zu starten.  Der Nachteil ist das diese Software viel weniger Funktionen hat und nur Bitcoin als Zahlungsmittel anwendet.

Noch scheint die Möglichkeit digitale Aktien (oder eben Tokens) durch Nutzung einer Crowdfundingsoftware bei einer Equity Crowdfundingkampagne ausgeben und in der Folge auch online handeln zu können, alleine aus regulatorischen Gründen illusorisch. Berücksichtigt man jedoch das Ende Dezember 2015 die SEC einem US Startup (unter der Leitung des bekannten Blockchainprotagonisten Patrick Byrne)  bereits die Genehmigung erteilt hat Wertpapiere mittels der Blockchain auszugeben und zu handeln, scheint die Fiktion Realität werden zu können. Jedenfalls ein spannendes Projekt..

 

Blockchain: ein mehr als spannendes Thema!

Asset registry exampleWährend die Bitcoin Ökosphäre immer noch darüber diskutiert ob nun der bekannte Bitcoin Core-Entwickler Mike Hearn mit seinem Artikel auf Medium: The resolution of the bitcoin experiment  recht hatte bzw. wann nun denntatsächlich die Blocksize auf 2 MB erhöht wird oder auch nicht, entwickelt sich das Thema der dezentralen Blockchains in einem immensen Tempo.

Am 28. Januar 2016 verlautbarte die  große internationale Beratungsgesellschafte PWC eine strategische Partnerschaft mit dem U.S. Startup Blockstream (oben genannter Mike Hearn gehört übrigens zum Team dieses Startups)  zum Thema Blockchain – um wie sie verlautbarten die Blockchaintechnologie weltweit den Klienten des Unternehmens anbieten zu können.
Am selben Tag veröffentlichte Deloitte, ein weiteres weltweit tätiges Beratungsunternehmen, ebenfalls eine Ausarbeitung zum Thema Blockchaintechnologie. In dem Papier  (hier zum runterladen) wird die grundsätzliche Methodik  der dezentralen Blockchains als auch die möglichen Anwendungen in den einzelnen Marktsegmenten (Finanz, Versicherungen, öffentlicher Sektor, Medienbereich)  sehr gut beschrieben. Deloitte weist hier auch darauf hin,  das neue Blockchain Anwendungen die weltweite Einführung beschleunigen werden.
Am 23. Jänner  2015 verlautbarte das New Yorker Blockchain Konsortium R3 ein erstes erfolgreichreich durchgeführtes verteiltes Ledger Experiment  unter Verwendung von Microsoft Azure (Blockchain as a Service EBaaS) basierend auf der Ethereum Blockchain.

Microsoft war erst im Oktober 2015 eine Kooperation mit Consensys, einem Ethereum Blockchain Startup –  gegründet von Joseph Lubin, einem Mitgründer der Ethereum Foundation – eingegangen.  Wie sehr Microsoft in das Bitcoin/Blockchain Business (Blockchain as a service) einsteigen will, zeigen auch die inzwischen zusätzlich in den letzten Monaten geschlossenen Kooperationen mit dem Bitcoinzahlungsanbieter BitPay; mit der Blockchain Plattform Manifold Technology; Bitcoin Taxservicesanbieter LibraTax und dem Proof of ownership Blockchainanbieter Emercoin.

Welche Bedeutung die Ethereum Blockchainlösung für die weitere Entwicklung im gesamten Blockchain Thema haben kann,  zeigt auch das  fünf der  vom Online-Magazin Finyear gekürten 10 vielversprechendsten Blockchain Startups für 2016 auf dezentralen Anwendungen (Daaps) der Ethereum Blockchain Technologie basieren:  Provenance,  Consensys, Ethcore, SlockIT, Ethereum.

Seit das Ethereum Ende Juli 2015 die erste funktionsfähige Softwareversion Frontier veröffentlicht hat (Ende Juli 2015), sind basierend auf dieser Entwicklungsumgebung unzählige Projekte entstanden.Ethereum  will ein „Web 3.0“ erschaffen – ein vollständig dezentrales Internet der DAPPs (dezentrale Anwendungen) und Smart Contracts.
Ethereum wird oft als die Bitcoin 2.0 Lösung beschrieben, auch weil viele der  in der Bitcointechnologie  identifizierbaren Shortcomings gelöst wurden.

Die Technologie  ist
•  unbegrenzt skalierbar, da sie nicht auf Servern ausgeführt wird (keine Blocksizedebatte!)
• Bestätigungen brauchen lediglich 7 Sekunden (Bitcoin braucht durchschnittlich 10 Minuten)
• Nachweis der Beteiligung wird Nachweis der Arbeit zu ersetzen (so als sehr effizient)
• Nodes und auch das Mining kann auf allen Geräten installiert/ausgeführt werden. (keine Gefahr der industriellen Konzentration wie bei Bitcoin)

Der Bitcoin-Core war von Satoshi Nakamoto vor allem als  „peer to peer digitales Zahlungsmittel“ im Gegensatz zu analogen Fiatsystem konzipiert, die Ethererum Blockchaintechnologie von Vitalik Buterin (der Gründer von Ethereum) ist mit ihrer umfangreichen Programmierbarkeit vor allem ausgerichtet auf sämtliche Arten von Smart Contracts. Der Ether (die Kryptowährung von Ethereum) ist nur als Transaktionsmittel gedacht.